Pressemitteilung

(17.11.2008) Netzhautchirurgen und Ingenieure haben nach
zwölfjähriger Entwicklungsarbeit die weltweit erste vollständig
in das Auge implantierbare Sehprothese für Blinde erfolgreich
bei Patienten implantiert.

EpiRet III Sehprothese im Auge
EpiRet III Sehprotese im Auge

"Ist das ein Streichholz, das ich sehe?", fragte die erste Patientin,
nachdem das Implantat aktiviert wurde. Die 65-Jährige aus Thüringen,
die an der Retinitis pigmentosa - dem erblichen Tunnelblick - erblindet
war, erhielt am 11. September 2007 in der Augenklinik des Aachener
Universitätsklinikums ein EPIRET3-System implantiert.

Das Besondere an diesem von Ingenieuren der RWTH Aachen und des
Duisburger Fraunhofer Instituts für Mikroelektronische Schaltungen
und Systeme entwickelten System ist, dass es als einziges System
weltweit vollständig in das Auge implantiert wird und nicht mit
Kabelverbindungen von außen versorgt werden muss. Das reduziert die
Operationszeit, die Handhabbarkeit ist einfacher und die Belastungen
für den Patienten sind geringer.

Die Operationen wurden in einer klinischen Studie an sechs freiwilligen
Patienten an der Universitäts-Augenklinik Aachen und der
Universitäts-Augenklinik Essen durchgeführt. Alle Patienten waren seit
mehreren Jahren an der Retinitis pigmentosa erblindet. "Die Operationen
verliefen komplikationslos und die Implantate heilten sehr gut ein",
so Prof. Dr. Peter Walter, Direktor der Aachener Augenklinik.

Während einer vierwöchigen Testphase wurde das System durch einen
Sender von außen aktiviert und die Netzhaut wurde von Spezialisten der
Neurophysikgruppe der Philipps Universität Marburg mit verschiedenen
Testreizen untersucht. Dabei zeigte sich, dass bei allen Patienten
Seheindrücke auslösbar waren und Muster unterschieden werden konnten.
Die erforderlichen Stromstärken lagen in einem sehr niedrigen Bereich,
was zeigt, dass eine lebenslange Dauernutzung des Implantates möglich
sein wird.

Die Arbeiten während der Entwicklungsphase wurden vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung finanziell gefördert. Nachdem das Konzept
sich bei den ersten sechs Patienten als wirksam und sicher erwiesen
hat, wurde von assoziierten Medizintechnikfirmen die Firma EPIRET GmbH
gegründet. Ziel ist es, ein marktfähiges Retina-Implantat zu produzieren,
um Patienten, die an degenerativen Netzhauterkrankungen erblindet sind,
ihr Sehvermögen wiederzugeben.

Forschungspartner